My Mythen

Bereits 1775 hat dieser formschöne Berg Johann Wolfgang von Goethe in seinen Bann gezogen. Am 17. Juni 1775 hat der deutsche Dichter die Mythen mit Bleistift auf Papier skizziert. In seinen Memoiren Dichtung und Wahrheit hat er über die Berge festgehalten: «An diesen ungeheuren unregelmässigen Naturpyramiden stiegen Wolken nach Wolken hinauf.»

Mein Heimatberg - Inspiration für mehr
Mein Heimatberg - Inspiration für mehr

So wunderschön und mächtig diese Naturpyramide dem Betrachter in Auge sticht, so enttäuscht ist der fachkundige Kletterer, da das geübte Auge viele grasige und unzuverlässige Felspartien ausmachen kann. Nichts desto trotz gibt es ein paar ganz grosse Klassiker, welche einen kompletten Bergsteiger verlangen, bzw. einen daraus Formen. Paul Nigg, das Bergführer-Urgestein aus unserer Region, hat einmal gesagt: "Wer an der Mythen das Klettern erlehrt hat, hat das Rüstzeug um an allen Bergen dieser Welt zu klettern".

 

"Wer an der Mythen das Klettern erlehrt hat, hat das Rüstzeug um an allen Bergen dieser Welt zu klettern"    -  Paul Nigg, Bergführer

 

Mir ist es jedenfalls dementsprechend ergangen. Altes Hakenmaterial, grosse Abstände zwischen den Sicherungspunkten, Artifkletterei, unzuverlässiges Gestein, aber sehr zuverlässiges und robustes Gras (sogenanntes "Mythengras"), welches als rettender Griff dienen kann, wie es an anderen Kalkberge nicht üblich ist. Mancher Kletterer hat aus diesen Gründen dem Berg den Rücken zugekehrt. Mich hat diese Wildheit und die vielen Facetten hingegen immer wieder fasziniert. Zu bemerken ist jedoch, dass die Zeit der klassischen Linien in unserem Breitengrad vorbei ist und auch an der Mythen eine frischer Wind eingesetzt hat. Es sind einige neue Sportkletterrouten entstanden in tollem Fels mit moderaten Absicherungen bis in sehr anspruchsvolle Schwierigkeitsgrade. Die Suche nach neuen Linien hat auch mich inspiriert und liess einige tolle Routen kreieren. Wenn es die Zeit zulässt bin ich zwischendurch am Berg unterwegs, sei es um den Kopf durch zu lüften oder aber kreativ mit der Bohrmaschine zu hantieren.

Das gesammelte Rüstzeug konnte ich nur dank unserer JO Mythen erlangen. Die Protagonisten zogen uns Burschen zu soliden Bergsteigern heran. Mit dem Klettern kam das Skitouren hinzu, das Eisklettern, die Hochtouren und zu guter Letzt das Höhlenforschen. Der Berg ist die unbekannte Kraft, die tolle Freundschaften enstehen liess. Der Werdegang führte mich an steile, an vergletscherte, an kalte, an hohe und weniger hohe Berge im In- und Ausland. Der Talkessel mit seinen malerischen Mythentürmen lässt mich aber nicht los. Sogar in Seewen habe ich sie weiterhin im Blickfeld und hoffe diesen standfesten und ehrlichen Berg nie aus den Augen zu verlieren. Er zeigt mir wer ich bin und was ich bin.

 

Häufig hört man "Müüte" oder "Mieete", was einem Schwyzer das Herz bluten lässt.

 

Eines sei zum Schluss klar zu stellen. Die Aussprache des Namen "Mythen" tönt immer wieder wie eine blockierte Säge, welche einem fast einen Tinnitus ins Ohr jagt. Häufig hört man "Müüte" oder "Mieete", was einem Schwyzer das Herz bluten lässt. Das y bei Mythen kommt vom Altdeutschen. Früher wurde ein langes i mit einem y ausgeschrieben. So sagt man auch "Schwiiz" und nicht "Schwüüz". Also, es ist sich die richtige Aussprache einzuprägen: "Miitä"


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